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Lentebok und Hagel slag – Ein Erlebnisbericht vom MTB Ameland

09.03.2019 - Als erklärter Freund der friesischen Nordseeinsel im Allgemeinen und ihrer Sportveranstaltungen im Speziellen stand schon lange das Datum des MTB-Ameland Weekend auf meinem Jahresplan.

Da aber alleine starten nicht mal ein halbes Vergnügen ist, bearbeitete ich Alex so lange, bis auch er nichtmehr Nein sagen konnte.

Freitags Anreise, Samstags MTB Rennen über 32 Kilometer durch die Dünen und am Sonntag die Hauptveranstaltung: eine Radtouristik kreuz und quer über die ganze Insel. 1500 Teilnehmer, keine Zeitnahme und 4 verschieden Streckenlängen von 15 bis 90 Kilometer.

Der Reihe nach: Samstags wartete die erste Herausforderung auf uns: Die Fahrt von unserem Unterkunftsort Nes nach Hollum, dem Startort des Rennens. Zehn Kilometer stellen ja unsereins nüchtern nicht vor Probleme. Aber da die steife Nordseebrise mit Windstärken 6 bis 8 frontal unserem Fahrtziel entgegenstand, waren die zehn Kilometer auf dem wunderschönen Muschelkalk Radweg durch die Dünen ein eindrucksvoller Tagesstart. Nach 50 Minuten konnten wir gut aufgewärmt die Startnummern holen und am Rad montieren. Und jetzt durften wir nervös werden: Auch nach Jahren des Ausdauersports warten immer noch neue Herausforderungen. Ein MTB Rennen hatte keiner von uns in seinen Palmares.

Mit dem üblichen Vorsatz, es langsam angehen zu lassen sortierten wir uns im einsetzenden Starkregen am Schluss des Startfeldes ein. Der Startschuss fiel mit den Vorsätzen und schon fanden wir uns wieder im Rennen auf schmalen Trails mit 200 wetterfesten Niederländern. Die erste Runde war geprägt vom Erlernen der Strecke, Staus an steilen Dünenübergängen und Sturzprophylaxe bei kräftigem Seitenwinden. Abenteuer und Adrenalin pur!

In der zweiten Runde hatte sich das Feld auseinandergezogen. Endlich konnten wir rennmäßig schnell über die Dünen prügeln! Kurz darauf wurden wir das erste Mal überrundet. Zusätzlich gesellte sich Hagel zu dem Abenteuer. Hell klopfend schlug er auf den Kunststoff des Helms. Hagel Slag mal nicht auf pappigen Brötchen. Komplett durchnässt entschieden sich meine eiskalten Füße für eine Rennaufgabe. Alex energischer Hinweis darauf dass er erstens noch nie ein Rennen aufgegeben hätte und zweitens gerade die Sonne durch die Wolken warme Strahlen schickte, mussten sich die Füße beugen. Zwei TTRler im Verbund in Runde drei. Das Fahren auf jetzt bekannten Kurven klappte immer besser. Doch westwärts drohte Ungemach. Eine tiefschwarze Wolke hatte Terschelling hinter sich gelassen und trieb gen Ameland. „Vielleicht schaffen wir die Runde ja vor der Wolke“, versuchte ich mir einzureden. Vergebens!

Mit der Wucht der Rechten aus guten Klitschko Tagen traf uns mitten auf einer hohen Düne querstehender Hagel mit Orkanböen. Wer nicht früh genug abgestiegen war, den wehte es vom Rad. Eine Gedenkplatte für die Opfer eines Schiffsuntergang bot uns notdürftig Schutz. Wir kauerten im Sand und bestaunten die Apokalypse. Mama rufen, am Daumen nuckeln und weinen waren naheliegende, aber wenig sinnvolle Optionen. Als nach wenigen Minuten der Hagel lichter wurde, schimmerten verheissungsvoll die Gebäude des Zielbereichs in unserem Blickfeld. Alex DNF Statistik war mir jetzt so etwas von Egal und auch er brauchte nicht mehr überredet werden. Die Aussicht auf gemauerte Behausungen, trockene Kleidung, heisse Suppe und Stroop-Waffeln war ein alternativloses Los. Alles war perfekt organisiert, nur das Wetter nicht.

Alex erstes DNF wurde relativiert. Dass Rennen wurde eh abgebrochen. Das war selbst den sturmerprobten Friesen zu viel gewesen.

Nachdem wir die Restbestände trockener Funktionsfasern übergezogen hatten, liessen wir uns vom Sturm zurück zur Unterkunft blasen. Annähernd ein vierziger Schnitt auf breiten Reifen und ohne große Anstrengung waren eine willkommene Erleichterung.

Heisse Duschen und lentebok (holl. für „Frühlingsbockbier“ - 6,5 Prozent und mehr...) ließen die Ereignisse dieses Tages schon bald in einem viel güldeneren Licht erscheinen. Sollten wir jetzt die Männerfreiheit nutzen und es noch in der Dorfdisko krachen lassen? Während wir darüber nachdachten waren wir eingeschlafen….

Lentebok und Hagel Slag machen perfekt müde!

Sonntag wartete die Hauptveranstaltung: Den MTB Marathon (60 Kilometer) über die Insel hatten wir uns vorgenommen. Der bange Blick aus dem Fenster am Morgen war verheissungsvoll. Schlaffe Fahnen und trockenes Grau. Mehr hatten wir uns nach dem Vortag nicht erträumt.

Am Frühstücksbuffet sammelten wir Körner und Kohlehydrate. Um 9.45 Uhr waren wir am Startort. Um uns herum -wie üblich in unserem Nachbarland- gutgelaunte Menschen und furchtbare Schlager.

Die Runde über die Insel war nicht so atemberaubend schnell wie das Rennen, aber dafür abwechslungsreicher und nicht minder leicht als die Dünenhatz.

Wälder, Wiesen, Dünen, Dörfer und den Strand nahmen wir unter die Räder auf toll ausgeschilderten Wegen. Jede kleinste Kreuzung auf Trampelpfaden mühsam mit Pfeilen markiert (Anmerkung des Schreibers: Ich habe selber schon mal Strecken auf Ameland ausgeschildert. Ich weiß, wovon ich schreibe.)

Knappe vier Stunden waren wir unterwegs. Es wäre länger gewesen, hätten wir nicht zehn Kilometer im Windschatten von zwei 16 jährigen Meisjes in Vereinstrikots Tempo gebolzt. Von denen wollten wir uns keineswegs abhängen lassen.

Die Aussicht auf zehn leichte Kilometer am Strand bei Ebbe und Rückenwind ließ uns viele Körner verblasen. Denn Strand, Ebbe und Rückenwind ist normalerweise eine grandiose Kombination für fantastisches Genussradeln auf bretthartem Boden. Das hatte ich Alex versprochen. Er hat sich auf mich verlassen. Was für ein Fehler! Denn die aus Eitelkeit vergeudeten Kräfte, hätten wir jetzt gut gebrauchen können.

Wir erlebten an dem Tag die gleichermaßen unschöne wie seltene Kombination zweier Nordseephänomene. Weichen, nassen Sand und drehenden Wind.

Aus dem Genußradeln wurde ein zäher Kampf am Strand bei unerwartetem Gegenwind. Entschädigt nur durch die Umstände, dass es erstens nicht regnete, zweitens die Aussicht auf brechende Wellen unverstellt war und drittens die Luft die frischeste war, die man sich vorstellen kann.

Auch wenn es am Ende schwer war: Es war eine tolle Fahrt!
Die Räder kalt abgespritzt, selbst noch heiß geduscht und dann machten wir uns auf zur Fähre. Um 16 Uhr waren wir im Auto und um viertel vor Sieben zu Hause. Lentebok im Gepäck und Hagel Slag im Kopfkino.

Zwei Tage, deren Eindrücke eigentlich für zwei Wochen Urlaub reichen könnten. Immer gerne wieder. Und sobald wir etwas ein zweites Mal machen, wird es schnell zur Tradition! Gerne auch mit weiteren Mitfahrern im nächsten Jahr!

L.T.

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